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Wirtschaftsprognose der EU für 2016/17: Polen auch in der Zukunft ein Wachstumsmotor in der EU

Veröffentlicht am 25.05.2016

(W&R) In der Frühjahrsprognose 2016 der EU-Kommission wird Polen (c) W&R GmbH Lars Bossezu den wachstumsstärksten Mitgliedsstaaten gezählt. Das starke Wachstum der polnischen Wirtschaft soll bis 2017 anhalten – entgegen der schlechten globalen Wirtschaftsprognose. Die innenpolitischen Auseinandersetzungen werfen aber einen Schatten auf die positive Prognose - so die Meinung der Experten.

In ihrer Frühjahrsprognose 2016 geht die EU-Kommission von einem sich verlangsamenden Wachstum der Weltwirtschaft und der Wirtschaft in dem Mitgliedsstaaten der EU aus. In der EU soll sich das BIP-Wachstum von 2,0% im Jahre2015 auf 1,8% für das Jahr 2016 reduzieren. Für das Jahr 2017 soll es mit1,9% fast gleich bleiben. Nach der Prognose soll in der Eurozone das Wirtschaftswachstum sogar ein bis zwei Prozentpunkte niedriger ausfallen – d.h. fast stagnieren. Die Kommission pronostiziert, dass die Impulse für das Wachstum vor allem aus dem EU-Binnenmarkt kommen, da sie zudem ein niedriges Wachstum der Weltwirtschaft erwarten.

(c) W&R GmbH Lars Bosse

Diese Prognose fällt jedoch für Polen durchwegs positiv aus: Das reale BIP in Polen ist 2015 durchschnittlich um 3,5% gestiegen. Bis 2017 soll sich dieses Niveau für Polen erhalten. Das ist überraschend, da die Wirtschaft in Polen sehr gut durch die Währungskrise kam und keine Aufholeffekte aus der Krisenbewältigung zu erwarten sind.  Die Prognose geht davon aus, dass sich die polnische Wirtschaft in 2016 und 2017 stärker als bei anderen EU-Mitgliedern wachsen wird. Vor Polen werden nur Rumänien, die Slowakei, Luxemburg und die baltischen Staaten mit einem stärkeren Wachstum genannt.

Als weite Kennzahlen für die polnische Wirtschaft 2016 und 2017 sollen die Binnennachfrage und die Konsumausgaben etwa 3,8% betragen. Diese Werte wären fast doppelt so hoch wie der erwartete Durchschnitt innerhalb der EU. Die Investitionsausgaben hingegen sollen von 7,1% im Jahren 2015 auf 4,5% im Jahre  2017 sinken. Besonders stark soll der Rückgang bei den Investitionsgütern sein. Bei den öffentlichen Ausgaben erwartet die EU-Kommission nur einen kleinen Anstieg von 4,4% in 2016 auf 4,6% für das Jahr 2017. Die Arbeitslosenquote soll sich sogar um einen Prozentpunkt von den 7,5% für 2015 auf 6,5% für 2017 reduzieren. Bei den Reallohnzuwächsen ist die Kommission sogar noch optimistischer: sie sollen in 2016 um 3%, in 2017 um weitere 2,5% steigen. Diese Prognosen wären sogar dreimal so hoch wie der EU-Durchschnitt, die für 2016 nur 1,2% und nur 0,8% in 2017 vorhersagen. Ebenso optimistisch ist die Kommission bei der Arbeitsproduktivität. Sie soll in diesem und dem nächsten Jahr um knapp 3% steigen – ebenfalls dreimal so stark wie im EU-Durchschnitt. Die Staatsverschuldung Polens soll sich jedoch weiter verschlechtern: sie werden von der aktuellen Quote von 51,4% des BIP auf 53,5 Prozent steigen. Die Ursache liegt dann vor allem in der Umsetzung der Wahlversprechen der  Regierung der Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS), die umfangreiche Sozialausgaben umsetzen wird.

 

Werden die innenpolitischen Konflikte Auswirkungen auf die Wirtschaft haben? 

Die EU-Kommission geht in ihrer Analyse allein von der Regierungspolitik des ersten halben Jahres sowie von bisher beschlossenen Maßnahmen aus. Nach der Analyse der EU-Kommission würden dies keine Auswirkungen auf die Wirtschaft haben.

Dieser Meinung sind aber nicht alle Experten: einerseits haben die Rankingagenturen Polen bereits herabgestuft. Die Ratingagentur Moody’s das Rating Polens von A2 stabil auf A2 negativ herabgestuft. Zuvor hatte bereits Standard and Poor 2016 das Rating Polens von A- auf BBB+ gesenkt. Beide Ratingagenturen verwiesen auf die schwierige innenpolitische Lage Polens und die Unsicherheiten bei der Rechtsstaatlichkeit Polens. Der Polenexperte Lars Bosse, der als Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der deutsch-polnischen Industrie- und Handelskammer die erste Regierung von Jaroslaw Kaczynski in Polen miterlebte, ist noch weniger optimistisch. „Während der ersten Regierungsbeteiligung der PiS haben viele Unternehmen ihre Investitionsentscheidungen erst einmal >auf Eis< gelegt; etwas ähnliches erwarte ich auch jetzt - vor allem, wenn von Renationalisierung der Banken und Medien gesprochen wird“, so Lars Bosse.  „Ferner dürfen wir nicht außer Acht lassen, die aktuelle Regierung noch von den wirtschaftlichen Effekten der Vorgängerregierung profitiert. Dieses Polster wird mit den geplanten sozialen Wohltaten schnell abschmelzen.“  

Polenexperte Lars Bosse